Historie

(Aus der Festschrift vom 40jährigen Jubiläum 1959 und dem 50jährigen Jubiläum 1969)

Als im Jahre 1919 einige musikfreudige junge Leute sich zusam­mentaten, um in ihrer Freizeit mit Trommeln und Pfeifen zu üben, fand dieses Vorhaben bald weitere Freunde, so das aus der anfänglich kleinen Gruppe bald ein stattlicher Zug von 15 Mann entstanden war. Dieser ersten Gruppe, die man als die Gründer des heutigen Spielmannszuges bezeichnen kann gehörten an:

Erich Schmiedel, Walter Ossenberg, Wilhelm Werner, Hugo Althof, Karl Schmiedel, Karl Schwalm, Julius Scherff, Fritz Schmoll, Otto Mattmann, Wilhelm Gerdes, Ludwig Debus, Fritz Gerdes, Walter Schmoll, Heinrich Voss.

Als erster Tambourmajor übernahm Gustav Kayser-Kampmann die Leitung. Mit teilweise eigenen Instrumenten oder von Freunden zur Verfügung ge­stellten älteren musste es zuerst gehen und schon bald trat der Spielmanns­zug an die Öffentlichkeit, freudig begrüßt von der Bevölkerung des Dorfes. Aber mit den alten Instrumenten war nicht lange Staat zu machen. Man musste sehen, neue zu bekommen, zumal der hinzugekommene Nachwuchs auch Übungsinstrumente brauchte. Darum versuchte man innerhalb der Be­völkerung durch freiwillige Spenden die nötigen Mittel zu bekommen. Es zeigte sich, welch gute Aufnahme das Bestreben des Spielmannszuges in der Gemeinde fand. Den ersten Betrag stellte der damalige Gemeindevorsteher zur Verfügung und dieses Vorgehen fand bei den Evingser Familien gute Nachahmung. So konnte man bald nach Neuenrade ziehen, wo in einer Musikalienhandlung die erforderlichen Instrumente gekauft wurden. Jetzt waren wenigstens die aktiven Kräfte einheitlich ausgestattet. Aber es be­durfte im Laufe der Zeit noch vieler Opfer und eines großen Idealismus der Gründer, um den Spielmannszug weiter zu bringen. Aber zäh, wie die Sauerländer sind, hielten sie an ihrem Ziel fest und so wurde der Spiel­mannszug bald zu einer aus dem Dorfleben nicht mehr wegzudenkenden Größe.

Als erstes Übungslokal diente eine kleine stillstehende Fabrik. Den Raum richteten sich die Spielleute wohnlich her und hier verbrachten sie ihre Abendstunden mit Üben. Das Einüben der ersten Märsche übernahm der Kamerad Fritz Schmoll. Teilweise wurde dabei ein Grammophon zur Hilfe genommen, um die Musikstücke auch wirklich naturgetreu wiedergeben zu können. Beim Üben kannte der Tambourmajor Gustav Kayser keine Nach­sicht, und stauchte manchen Spieler zurecht, der nicht bei der Sache war oder ein lasches Auftreten zeigte. Aber es gab hinterher auch fröhliche Stunden, zumal innerhalb der Schar der Mitglieder auch einige recht begabte Humoristen vertreten waren.

Schon nach zwei Jahren, im Jahre 1921 wagte man es, einen Wettstreit der Spielmannszüge in Altena zu besuchen. Man hatte Erfolg und war nun stolz. Als im Jahre 1922 aus Holzen bei Menden wieder die Aufforderung kam, an einem Wettstreit teilzunehmen, sagte man natürlich zu. Als es darum ging, ob der ganze Spielmannszug, einschließlich des Nachwuchses, an diesem Treffen teilnehmen sollte, gab der Tambourmajor Gustav Kayser kurzer Hand die Entscheidung: „Se got alle met“, und so geschah es. Man war sicher, dass man siegen würde, und um das der zurückbleibenden Bevölkerung auf möglichst schnelle Weise mitteilen zu können, nahm man Brieftauben mit, die die Nachricht zurückbringen sollten. Die Tauben trafen auch pünktlich ein. Aber die Taubenpost lautete nur: „Schiebung“. Man ersah daraus, dass es dieses Mal mit einem Sieg nichts geworden war. Mit Pauken und Trom­peten war der Spielmannszug Evingsen durchgefallen. Das war eine böse Enttäuschung. Aber zugleich war dies auch das Signal für weitere ernsthafte Arbeit. Als man den nächsten Wettstreit in Lüdenscheid besuchte, wohin man im bekränzten Leiterwagen fuhr und völlig durchnässt ankam, war der Spielmannszug Evingsen bereits eine ernst zu nehmende Konkurrenz ge­worden. Dort heimste man wieder einige wertvolle Preise ein. Auch in Siegen hatte der Spielmannszug einen guten Erfolg und holte dort bei einem Wettstreit sämtliche ersten Preise herein.

Bei einem Wettstreit in Garbeck lag Evingsen ebenfalls an der Spitze. Dort holte sich Gustav Kayser trotz erbitterter Konkurrenz, die ein dreimaliges Stechen durchdrückte, auch noch den Tambourmajorspreis.

In Oestrich ging es bei einem Wettstreit sogar so turbulent zu, dass man ohne die errungenen Preise zu Hause ankam und nicht mehr wusste, wo diese geblieben waren. Nur der Tambourmajorspreis war von Gustav Kayser gut heimgebracht worden.

Nun hatte man allmählich eine ganze Menge Siegestrophäen zusammen­gebracht, die überall verstreut aufbewahrt wurden. Man beschloss deshalb einen Schrank anzuschaffen, den man in dem damals zum Vereinslokal erwählten Gasthof „HÖTTEL“, aufstellen wollte. Es bot sich Gelegenheit, in Dresel einen solchen Schrank zu erwerben. Man fuhr mit einem Pferdefuhrwerk dorthin. Aber das Geschick war den Spielleuten nicht hold. Nachdem man den Kauf getätigt und durch einen Umtrunk bekräftigt hatte, ging man an das Verstauen des kostbaren Stückes. Dabei trat schon ein Flötist durch eine Türfüllung. Als man unterwegs einmal Rast gemacht hatte und die Spielleute mit Mühe den Wagen wieder erklettert hatten, zog das Pferd mit einem Ruck den Wagen an, und ein Tambour fiel dabei rücklings in die Glasscheibe. Schlimmer aber erging es dem Tambourmajor, der sich plötzlich hinter dem Wagen auf der Straße wiederfand. Nun wollte keiner mehr mit dem Wagen fahren. Vielleicht wäre dann auch von dem Schrank nichts mehr heil angekommen. So trotte­ten dann die müden Spielleute zu Fuß nach Evingsen. Aber der Schrank war doch angekommen und hat viele Jahre mit seinem blinkenden Inhalt Zeugnis von dem Können des Evingser Spielmannszuges abgelegt.

Oftmals hat der Spielmannszug im Laufe der Jahre bei Feiern und Veran­staltungen in der Gemeinde mitgewirkt. Dabei war er oft recht wandlungs­fähig, was das nachstehende Bild von der Musterung besonders zeigt.

Aber auch in den umliegenden Ortschaften war der Evingser Spielmannszug geschätzt und wurde von allen Vereinen gern herangeholt. Er war bei den Altenaer Schützenfesten ebenso dabei, wie bei Veranstaltungen in Iserlohn, Ihmert und Bredenbruch.

Durch den Krieg wurde dem Spielmannszug dann sein Betätigungsfeld ge­nommen. Die Mitglieder waren größtenteils als Kriegsteilnehmer draußen und hoffnungsvolle Kräfte ließen ihr Leben im Dienste des Vaterlandes. Als dann nach dem Kriege das Vereinsleben in Evingsen wieder auflebte und im Jahre 1951 der Schützenverein Evingsen sich rüstete, wieder sein Schützenfest zu feiern, rief man auch wieder nach dem Evingser Spielmanns­zug. Damals war es der alte Tambourmajor Gustav Kayser, der die Spiel­leute wieder um sich sammelte, und den Spielmannszug aufbaute. War bis­her der Spielmannszug Evingsen eine selbständige Gruppe gewesen, so kam man jetzt zu dem Entschluss, sich dem Evingser Schützenverein als „Spielmannszug des Schützenvereins Evingsen“ anzuschließen. Aus eigener Kraft wäre es den Spielleuten kaum möglich gewesen, die Kosten der Neu­ausstattung aufzubringen. So übernahm diese Aufgabe jetzt der Schützenverein und sorgte für die fehlenden Instrumente und stattete auch die Spiel­leute mit einer Uniform aus. Unser besonderer Dank gilt dem damaligen Zugführer Heinrich von der Crone, der es durch seine tatkräftige Hilfe ver­stand, den Spielmannszug in ganz kurzer Zeit wieder einsatzfähig zu machen. Im Jahre 1951 waren es die Spielleute:

Gustav-Kayser-Kampmann als Tambourmajor, Otto Mattmann, Wilhelm Gerdes, Heinz Heucks, Walter Ossenberg, Erich Schmiedel, Julius Scherff, Alfred Runtemund, Willi Wuske, Alex Ferner, Ernst Schwalm, Günther Gruß, Fritz Gerdes und Fritz Dickgräfe,

die das Wiederaufleben des Spiel­mannszuges durch ihre Mitwirkung ermöglichten. Alex Ferner übernahm das Einüben der Märsche und galt noch lange als die musikalische Stütze des Spielmannszuges.

Der Gesundheitszustand des Tambourmajors Gustav Kayser-Kampmann erlaubte es nicht, diesen Posten weiter auszufüllen. An seiner Stelle übernahm Otto Mattmann den Tambourstab und leitete das Korps bis zum Jahre 1956. Man sah dann aber ein, dass eine jüngere Kraft herangebildet werden musste, zumal auch der Gesundheitszustand von Otto Mattmann angegriffen war. Einstimmig wurde Horst-Willi Schmoll als neuer Tambourmajor erwählt und stand über 38 Jahre an der Spitze des Spielmannszuges des Schützenvereins. In kurzer Zeit war der Spielmannszug wieder zu einer beachtlichen Stärke geschult und gedrillt und mit durchweg neuen Kräften besuchte man 1957 wieder einen Wettstreit in Altena. Es wurden in der Klasse alle ersten Preise errungen, so daß man es wagte, 1958 an einem Wettstreit im musikfreudigen Siegerland, in Dreis-Tiefenbach, teilzunehmen. Trotz starker Konkurrenz konnte man auch hier einige Preise entführen.

Seit dieser Zeit bestand mit dem Spielmannszug „St. Josef“ Dreis-Tiefenbach eine innige Freundschaft, die durch Gegenbesuche immer wieder aufgefrischt wurde. Auch mit unserem Nachbarverein, dem Tambourkorps Dahle, fühlen wir uns eng verbun­den. Manche gesellige Stunden haben wir mit diesen Kameraden verbracht.

Am 9. Oktober und 11. Mai 1959 konnten wir unser gelungenes 40jähriges Jubi­läumsfest im großen Rahmen feiern. Es war ein heroischer Augenblick als unser Alt-Tambourmajor Gustav Kayser-Kampmann auf dem Dorfplatz an der Kirche in Evingsen noch einmal den Tambourstab ergriff, um mit 30 Gastvereinen „Preußens Gloria“ gemeinschaftlich zu spielen. Vom Reinerlös konnte nun endlich eine mo­derne, komplette neue Uniform für alle Mitglieder angeschafft werden.

In den darauf folgenden Wochen und Monaten wurde wieder ernste Arbeit geleistet und so konnten wir weitere Freundschaftstreffen und Wettstreite besuchen. Am 6. September 1959 erhielten wir die höchste Punktzahl aller anwesenden Vereine in Sendenhorst. Einen der größten Erfolge seit Bestehen des Spielmannszuges er­rangen wir am 25. September 1960 in der Halle Münsterland mit dem 1. Preis der 1. Klasse mit Nebeninstrumenten.

Weiterhin erfolgreich war der Wettstreit in Marl: 1. Preis 1. Klasse, in der Konzert­klasse 4. Platz. Unentwegt blieb der Spielmannszug tätig, hier Freundschaftsspiele, dort Ständchen zu vielen Anlässen.

Am 1. Mai 1962 Wettstreit in Hewingsen, 1. Klasse ohne Nebeninstrumente, 2. Platz. Am 20. September 1963 wäre noch der Wettstreit in Handorf zu erwähnen. Immer mehr Preise, Plaketten und Pokale füllen unseren Vereinsschrank. 1963 wurden Hörner beschafft und zusätzlich auch Hörnermärsche eingeübt In den letzten Jahren waren wir mit dem Spielen auf unseren und fremden Schützenfesten und bei vielen Vereins-Veranstaltungen sowie an den Volkstrauertagen voll ausgelastet. Wir wol­len die vielen schönen Feiern und Fahrten innerhalb des Vereins, die zum kame­radschaftlichen Zusammenhalt beitrugen, nicht unerwähnt lassen.

1967 sind wir dem Deutschen Volksmusikerbund beigetreten und haben festgestellt, dass wir durch diese Vereinigung gute Unterstützung erhalten.

Was die Alten einst mit großem Idealismus begonnen und durch Jahrzehnte gepflegt haben, wird der Nachwuchs fortsetzen. Das gute kameradschaftliche Verhältnis, das immer innerhalb des Spielmannszuges herrschte, ist mit die Grundlage für den Zusammenhalt und wird auch weiterhin den Eifer zu neuen Leistungen an­spornen. Mit echt sauerländischer Beharrlichkeit und Treue geht der Spielmannszug des Schützenvereins seinen Weg. Nicht für sich selbst, sondern für die Allgemein­heit und zur Pflege der Gemeinschaft will er wirken und Freude bringen.

Unser aller Wunsch ist es, dass sich die Jugend wieder sehr für unsere schöne Sache begeistern möge, damit auch die Nachwuchssorgen behoben werden.

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